Lany Poniedzialek – Der polnische Ostermontag

Angesprochen auf den Lany Poniedzialek wird man unter der weiblichen Bevölkerung Polens wohl verschiedene Reaktionen bekommen. Grund dafür ist ein sowohl lustiger, als in der heutigen Zeit auch fragwürdiger Brauch.

Jedes Jahr am Ostermontag werden in Polen die hübschesten Frauen im heiratsfähigen Alter zu „Gejagten“. Vor allem unter den Jugendlichen ist der Smigus Dyngus – der nasse Montag – eine sehr beliebte Tradition. So wird dieser Tag scherzhaft oft auch Wet-T-Shirt-Contest genannt. Bewaffnet mit Eimern, Wasserbomben und großkalibrigen Wasserpistolen zieht die männliche Bevölkerung durch die Straßen und sucht sich dort seine Opfer. Ist gerade kein geeignetes Utensil greifbar, landen die Frauen auch schon mal im Dorfteich.

Nicht selten kommt es am Lany Poniedzialek vor, dass die Mädchen und Frauen zu spät zur Schule oder zur Arbeit kommen oder auch gar nicht erst erscheinen, da es ihnen einfach nicht gelingt trocken dort anzukommen.

Polnische Tradition mit langer Geschichte

Doch kein weibliches Wesen, zumindest in den ländlichen Gegenden, käme auf die Idee sich darüber zu ärgern oder gar über ruinierte Kleidung oder Frisuren zu klagen. Einerseits ist es ja gewissermaßen ein Kompliment für die ‚Begossene‘ und andererseits ist dieser Ritus Teil einer jahrhundertealten Tradition. Und diese halten die Polen ja bekanntlich sehr hoch. 0898_Wasserbegießung_zur_Osterzeit

Aufzeichnungen über das zeremonielle Wasserschütten reichen weit in die Vergangenheit zurück. Erste Quellen über den Smigus Dyngus existieren bereits aus dem Mittelalter und beschreiben ihn als einen universellen Brauch, bei dem Männer aus allen Schichten Frauen mit Wasser begießen. Damals schlichen sich die Männer im Morgengrauen in die Häuser der Damen und weckten sie mit einem Schwall Wasser. Ein Zeitzeuge aus dem frühen 19. Jahrhundert beschreibt die Reaktionen so: „Die Mädchen kreischen, aber in ihren Herzen freuen sie sich, da sie genau wissen: Diejenige, die trocken bleibt, wird im selben Jahr nicht mehr heiraten.“

Der Lany Poniedzialek gehört ebenso zu Polen wie Johannes Paul II., das landestypischen Gericht Bigos und der Marienkult.

Nach christlicher Überlieferung stammt der Brauch vom polnischen König Mieszko I. Dieser wurde im Jahr 966 am Ostermontag getauft und hatte sich stellvertretend für das ganze Land zum Christentum bekehren lassen. Das war die Geburtsstunde des polnischen Katholizismus.

Allerdings gibt es auch noch eine andere Variante, so soll der Smigus Dyngus einen heidnischen Ursprung haben. Nämlich die symbolische Reinigung junger Frauen zum Frühlingsbeginn.

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Emanzipation auf Polnisch

Im Großen und Ganzen hat sich an dieser Tradition im Laufe der Jahre nicht viel verändert. Allerdings hat auch die Emanzipation nicht vor diesem Brauch halt gemacht. Die Frauen haben sich ebenfalls bewaffnet und vielerorts wird zurückgeschossen. Aber wie in fast allen Lebenslagen, nehmen auch diese Dinge immer größere Dimensionen an. Auch die Einstellung der Jugendlichen spielt dabei eine große Rolle. So vergessen viele in dieser Wasserschlacht die Grenzen und beschießen beispielsweise in Bussen oder Zügen auch alte Leute und völlig Unbekannte.

Nicht ohne Grund ist der Lany Poniedzialek der Tag mit dem höchsten Wasserverbrauch im ganzen Land. Dass es allerdings auch sparsamer geht beweisen die polnischen Gentlemen der älteren Generationen. Anstatt die Damen völlig zu durchnässen, werden sie lediglich mit ein paar Spritzern Kölnisch Wasser benetzt.

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